Isabelle Caro ist tot

Der Name von Isabelle Caro ist untrennbar verknüpft mit einer Erkrankung: Magersucht.

Weltweit als “Magermodel” bekannt wurde die junge Französin, als sie 2007  ihren ausgemergelten, nackten Körper von dem Benetton-Fotografen Oliviero Toscani ablichten ließ. Das Medienecho fiel ebenso kontrovers wie gewaltig aus; mehrfach wurde ihr vorgeworfen, als “Prototyp der Anorexie” ihre Krankheit zu vermarkten.
“Das Kleine Mädchen, das nicht dick werden wollte” – so der Titel ihrer vor zwei Jahren erschienen Autobiographie – lag mit einem Tiefstgewicht von 25kg bei einer Größe von 1,64m bereits zeitweise im Koma, sah sich selbst als eine “Darstellung des Todes”. Dennoch äußerte sie in Interviews immer wieder Ziele, wollte gesund werden, träumte davon, als Schauspielerin zu arbeiten und Mutter zu werden.

Heute wurde bekanntgegeben, dass Isabelle Caro  am 17. Dezember an den Folgen einer Lungenentzündung im Alter von 28 oder 30 Jahren (ihr genaues Alter nannte sie nie) verstorben ist.

Diagnose psychischer Erkrankungen

was ist eine Diagnose?

Der Begriff “Diagnose” stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie “Erkenntnis” oder “Unterscheidung”. Und genau darum geht es: die bei einem Betroffenen auftretenden Symptome zu klassifizieren und somit bestimmten Krankheitsbildern zuordnen zu können, um anschließend die passende Behandlungsmethode zu wählen. Auch Rückschlüsse auf die wahrscheinlichen Ursachen einer Erkrankung werden hierdurch ermöglicht.

Gerade bei Traumafolgen treten übrigens häufig mehrere Symptome bzw. Komorbitäten und demzufolge auch mehrere Diagnosen auf (zum Beispiel Dissoziationen, Medikamentenabhängigkeit und Depressionen).

wer stellt eine Diagnose?

Grundsätzlich darf jeder approbierte (zugelassene) Mediziner oder Psychotherapeut eine Diagnose stellen. Allerdings verfügt ein Allgemeinmediziner naturgemäß meist nicht über allzu viel Fachwissen auf dem Gebiet der psychischen Störungen, sodass es ratsam ist, die Behandlung und Diagnostik einem Psychiater oder Psychologen zu überlassen.

Im Internet finden sich diverse Selbsttests im Stil von “Habe ich eine Essstörung?” oder “Habe ich Borderline?”, bei denen man eine Reihe von Fragen durch Klicken beantwortet. Von diesen Selbsttests ist dringend abzuraten! Durch Faktoren wie vorgegebene Antworten, Suggestivfragen etc. erhalten selbst gesunde Menschen schnell ein beängstigendes Testresultat, was oftmals nur noch mehr belastet. Auch in Selbsthilfeforen können und dürfen keine Diagnosen gestellt werden! Eine Diagnose kann und darf nur von einem Fachmenschen nach einer gründlichen Untersuchung gestellt werden.

wie wird eine Diagnose gestellt?

Um herauszufinden, welche Diagnose(n) bei einem betroffenen Menschen vorliegen, kommen verschiedene Methodiken zum Einsatz. Zunächst muss abgeklärt werden, ob die Symptome tatsächlich psychisch bedingt sind und nicht etwa auf eine körperliche Erkrankung zurückgehen. Darüber hinaus existieren verschiedene standardisierte Fragebögen, die in Form eines Interviews zwischen Therapeut und Patient durchgegangen werden und dem Therapeuten helfen, das Erleben des Betroffenen besser einzuschätzen. Nicht zuletzt ist natürlich auch das “normale” Therapiegespräch wichtig, in dem der/die Betroffene über die Problematiken spricht.
Alles in allem nimmt eine professionelle, umfangreiche Diagnostik einen gewissen Zeitraum in Anspruch. Eine Diagnose sollte niemals zwischen Tür und Angel gestellt werden, und wer bereits die erste Therapiestunde mit einer Diagnose verlässt, der darf ruhig skeptisch gegenüber der Professionalität des Therapeuten und dem tatsächlichen Zutreffen der Diagnose sein.

wie sieht eine Diagnose aus?

Psychische Erkrankungen werden, wie alle anderen Krankheiten auch, anhand der ICD-10 klassifiziert, der International Classification of Diseases. Diese ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geregelt und widmet psychischen Störungen ein eigenes Kapitel (in den USA kommt das DSM-IV zum Einsatz, das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders).

Zusätzlich zu ihrem “normalen” Namen werden Diagnosen durch einen sogenannten Diagnoseschlüssel ausgedrückt. Dieser Diagnoseschlüssel setzt sich aus einem Buchstaben und einer Zahlenkombination zusammen – bei psychischen Erkrankungen wird ein F für das Kapitel “Psychische und Verhaltensstörungen” vorangestellt. So steht F 60.31 beispielsweise für die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus.
Ein “G” hinter dem Diagnoseschlüssel bedeutet “gesichert”, die Diagnose steht also fest, während ein “V” für “Verdachtsdiagnose” steht.

Eine Übersicht über die Diagnoseschlüssel des ICD-10, wo man auch nachschlagen kann, was die Abkürzungen bedeuten – die man beispielsweise auf dem Überweisungsschein sieht -  findet ihr hier.

Kritik an Diagnosen

Letzlich stellt sich die Frage: wofür sind Diagnosen überhaupt wichtig? – In erster Linie werden Diagnosen benötigt, um die richtige Behandlungsmethode wählen und dem Betroffenen somit optimal helfen zu können. Auch die Krankenkassen wollen natürlich eine Diagnose sehen, um eine Behandlung zu finanzieren. Für psychische Erkrankungen gilt da nichts Anderes als für körperliche Krankheiten.

Es gibt den Vorwurf, Diagnosen seien nur dazu da, Individuen in Schubladen zu pressen. Ich persönlich denke, dass es an einem selbst liegt, wie man mit einer Diagnose umgeht. Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob man beispielsweise sagt “Ich bin Borderliner” oder “Ich habe eine Borderline-Störung”. Denn über eine Diagnose identifizieren sollte man sich definitiv nicht, wenn man an sich und seinen Problemen arbeiten möchte.

25.11.: Tag gegen Gewalt an Frauen

Auch 2010 gibt es wieder zahlreiche Aktionen, die die Allgemeinheit auf Missstände aufmerksam machen sowie Betroffenen Mut machen wollen, sich Hilfe zu holen.
Für viele Städte sind Veranstaltungen und Infostände angekündigt, so zum Beispiel nachmittags in der Kölner Schildergasse. In Osnabrück werden von den Beratungs- und Interventionsstellen in Kooperation mit der Polizei Trillerpfeifen verteilt, denen Kärtchen mit Telefonnummern von lokalen Hilfs- und Beratungsstellen beiliegen. Auch in Hessen wird versucht, Betroffene zu erreichen, indem die hessischen Bäcker ihre Brötchen in Tüten mit der Aufschrift “Gewalt kommt mir nicht in die Tüte!” verkaufen werden, auf deren Rückseite die Nummern von Ansprechpartnern in der Region aufgeführt sind.

In vielen Städten wird außerdem die blaue Fahne der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes wehen.

ein Jahr Traumazone

Seitdem ist das Forum fleißig gewachsen, und so dürfen wir heute auf 200 aktive User und rund 16.000 Beiträge in ca. 1000 Threads blicken. :)

Als Geburtstagsgeschenk haben wir uns diese Infoplattform überlegt: hier findet ihr ab sofort die Infotexte und Selbsthilfetipps aus dem ehemaligen Wiki, die Buchvorstellungen sowie aktuelle Hinweise. Außerdem ist es euch nun auch möglich, Kommentare dazu zu verfassen.
Wenn ihr einen Text beisteuern mögt, wendet euch im Forum an Quecksilber.

Das Forum erreicht ihr nun unter der Adresse forum.traumazone.de.

Wie sich das Forum entwickelt hat, könnt ihr hier im Detail nachlesen.
Unsere Statistik findet ihr hier.

Ein Danke an alle User und auf viele weitere Jahre Traumazone! :)

Liebe Grüße
Quecksilber im Namen des Teams

Therapie an der Grenze: die Borderline-Persönlichkeit. – Thomas Reinert

Über die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) sind schon zahlreiche Fachbücher verfasst worden. Die Tiefe und Gründlichkeit, mit der Dr. med. Thomas Reinert nicht nur auf die unterschiedlichen Symptome eingeht, sondern auch ausführlich auf die Faktoren, die zum Entstehen dieser Störung beitragen, lässt “Therapie an der Grenze: die Borderline-Persönlichkeit. Modifiziert-analytische Langzeitbehandlungen” hier herausragen.
Mit dem Wissen aus mehr als zwanzig Jahren Erfahrung in der Behandlung von Borderline-Betroffenen informiert Thomas Reinert den Leser umfassend über das Störungsbild der BPS sowie über die unterschiedlichen Behandlungskonzepte und ihre therapeutischen Möglichkeiten.

Therapie an der Grenze: die Borderline-Persönlichkeit - Thomas Reinert

Trotz der anspruchsvollen Auseinandersetzung mit der bereits vorliegenden Fachliteratur bleibt das Buch hierbei keinesfalls rein wissenschaftlich, sondern erfährt durch die zahlreichen Schilderungen aus dem Therapiealltag sowie durch das Vorstellen der modifiziert-analytischen Langzeitbehandlung einen fundierten praktischen Bezug. Somit trägt die Lektüre gleichermaßen bei Betroffenen, Interessierten und Fachpersonal zum Verständnis der BPS bei, wie sie auch konkrete hilfreiche Wege in der therapeutischen Praxis aufzeigt. Denn “Therapie an der Grenze” ist ein Plädoyer dafür, dass die Borderline-Störung keineswegs derart “untherapierbar” ist, wie es oftmals heißt.

Zunächst stellt Reinert die Grundsätze der Individualpsychologie vor, die als Adler’sche Variante der Psychoanalyse seine Methodik maßgeblich mitgeprägt hat, und zeigt Verbindungen zu anderen Disziplinen wie die der Hirnforschung, der Säuglingsbeobachtung und der Emotionspsychologie auf. Anschließend widmet er sich den verschiedenen Borderline-Theorien wie Kernberg, Mahler und andere sie vertreten. Durch die sehr gründliche und anspruchsvolle Beschäftigung mit diesen verschiedenen therapeutischen Haltungen, die jeweils durch viele Originalzitate aus der Fachliteratur vorgestellt werden, liest sich der erste Teil des Buches mitunter etwas mühsam. Das dadurch gewonnene umfassende Wissen entschädigt dafür aber allemal und bereitet den Leser optimal auf den folgenden Part vor.

Da die Ursachen der BPS in der Kindheit der Betroffenen zu suchen sind, kümmert Reinert sich sehr genau diesem Punkt und analysiert die Auswirkungen von Kindheitstraumata und malignen Familienkonstellationen auf das Entstehen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Typische Symptome wie etwa das Nähe-Distanz-Problem, das viele Betroffenen an zwischenmenschlichen Beziehungen verzweifeln lässt, oder die Innere Leere finden hier eine Erklärung. Oftmals auftretende Komorbiditäten wie die Selbstverletzungen erscheinen in diesem Licht nunmehr als “logische” Reaktionen auf die früheren Umstände und als autoregulative Mechanismen.

Das letzte Kapitel widmet sich schließlich der therapeutischen Praxis der modifiziert-analytischen Langzeitbehandlung. Fallbeispiele und mehrere Farbdrucke von in der Therapie entstandenen Bildern geben hier einen praktischen Einblick. Reinert schildert hier ebenso detailliert sein Vorgehen wie er auch auf das Umfeld eingeht, in dem die Therapie stattfindet; auf die Einbeziehung des Körpers sowie auch auf die Gefahr psychotischer Dekompensationen. Auch zu dem unter Fachleuten umstrittenen Thema der Regression als hilfreiche oder abzustoppende Phase bezieht er Stellung. Abschließend findet sich ein Blick auf den Verlauf und den Abschluss der Therapie.

Erschienen im Verlag Klett-Cotta in der Reihe „Leben lernen“, ISBN: 978-3-608-89730-2 zum Preis von 25,90 €.

Rezension: Anne Mühlbauer aka Quecksilber

Imagination als heilsame Kraft – Luise Reddemann

Die alte Meinung, man müsse ein Trauma in der Psychotherapie mit all seinen Schmerzen noch einmal durchleben, um es verarbeiten zu können, weicht mehr und mehr einem sanften Ansatz. Denn das wiederholte Erfahren der traumatischen Situation kann weitaus eher retraumatisierend wirken, als dass es hilft. Anstatt sich nur auf das Trauma zu konzentrieren, werden nun vielmehr die individuellen Ressourcen eines Patienten in den Vordergrund gerückt, um auf diese Weise die Selbstheilungskräfte und somit die innere Stabilität des Betroffenen zu stärken. Imaginationsübungen nehmen hierbei eine wichtige Rolle ein.

Imagination als heilsame Kraft - Luise Reddemann

Die renommierte Traumatherapeutin Prof. Dr. med. Luise Reddemann gibt in ihrem Band „Imagination als heilsame Kraft. Zur Behandlung von Traumafolgen mit ressourcenorientierten Verfahren“ sowohl PsychotherapeutInnen, als auch Betroffenen zahlreiche Imaginationsübungen an die Hand. Hierbei wird deutlich, mit wie viel Respekt sie ihren PatientInnen gegenübertritt und nicht etwa “von oben herab” über sie schreibt. Verschiedene Techniken werden ausführlich geschildert und mit konkreten Anwendungsbeispielen aus der therapeutischen Praxis ergänzt.

Diese sechste Auflage entstand unter Mitarbeit von Veronika Engl, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin, die den Einsatz von Qigong-Körperübungen in der Traumatherapie erläutert; der Kunstpsycho-, Psycho- und Traumatherapeutin Susanne Lücke, die auf die Rolle der Kunsttherapie für Traumapatienten eingeht, sowie der psychologischen Psychotherapeutin Cornelia Appel-Ramb, die den Band um Ausführungen zur Therapie von traumatisierten Kindern und Jugendlichen bereichert.

Gemäß der Dreiteilung der Traumatherapie in eine stabilisierende Phase, die Phase der Traumakonfrontation sowie die abschließende Integration des Traumas geht auch das vorliegende Buch nacheinander auf diese Themenbereiche ein.
Die ersten Kapitel widmen sich der Inneren Stabilität und dem heilsamen Umgang mit dem Körper, der für Traumatisierte oftmals kaum möglich erscheinbar. Achtsamkeitsübungen, die Arbeit auf der Inneren Bühne und das Finden von Gegenbildern zu den traumatischen Schreckensbildern stehen hier im Vordergrund. Auf das Körpergedächtnis wird ebenso eingegangen wie auf verschiedene Körperübungen aus den Bereichen Breema und Qigong.
Der nächste Teil steht im Zeichen der Traumakonfrontation und zeigt Imaginationsübungen wie beispielsweise die der Bildschirmtechnik auf, mit deren Hilfe das Trauma möglichst schonend bearbeitet werden kann.
Susanne Lücke geht anschließend auf die Möglichkeiten der Kunst- und Gestaltungstherapie im Prozess der Traumaheilung ein.
Im Anschluss daran finden sich Anregungen und Übungen dazu, wie die eigene Geschichte angenommen und in das Selbstbild integriert werden kann. Die dabei oftmals aufgeworfenen Sinnfragen, die Fragen nach Schuld und Sühne, nach Dankbarkeit und Vergebung werden hier ebenfalls thematisiert.
Abschließend erläutert Cornelia Appel-Ramb das Verfahren der psychodynamisch-imaginativen Traumatherapie von Kindern und Jugendlichen.

Die anschaulich und einfühlsam beschriebenen Übungen und Erklärungen machen Mut – Mut, dass es möglich ist, einen besseren Umgang mit den Traumafolgen zu erlernen und mehr Lebensqualität im Heute zu erfahren. Betroffene können ebenso wie Fachpersonal viel daraus mitnehmen.

Erschienen im Verlag Klett-Cotta in der Reihe „Leben lernen“, ISBN: 978-3-608-89034-1, 22,90 €.