Die Behandlung der Opfer – Klaus Ottomeyer

In seinem kürzlich veröffentlichten Buch “Die Behandlung der Opfer. Über unseren Umgang mit dem Trauma der Flüchtlinge und Verfolgten” setzt sich der österreichische Traumatherapeut Klaus Ottomeyer engagiert mit diesem Thema auseinander. Das Vorwort liefert hierbei die renommierte Traumatherapeutin Luise Reddemann.
“Behandlung” – ein Sprachspiel, was einerseits sowohl die therapeutische Hilfe meint, andererseits aber auch die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft mit traumatisierten Flüchtlingen umgeht. Auf rund 250 Seiten beleuchtet Ottomeyer diese beiden Bereiche: denn obgleich die Traumatherapie eines so speziellen Klientels zunächst als ein recht abgegrenztes Gebiet erscheinen mag, offenbart sich dann doch die Komplexität des Themas.
So macht Ottomeyer zunächst einmal auf all jene Probleme aufmerksam, denen traumatisierte Kriegsflüchtlinge und politsch Vertriebene hierzulande häufig ausgesetzt sind – allem voran sind dies die ablehnende Haltung ihrer Mitmenschen und umständliche bürokratische Verfahren. Wie diese diskriminierenden Tendenzen entstehen und welche Dynamiken sie entwickeln, wird anschließend analysiert und klar aufgezeigt. Hierbei beschränkt sich der Autor nicht auf die Theorie, sondern schildert konkrete Einzelschicksale, bei denen man anbetrachts der erfahrenen Ablehnung und / oder Ignoranz oft nur den Kopf schütteln kann. Vehement prangert Ottomeyer hierbei vor allem die hiesigen Behörden an, die den Opfern häufig zahlreiche bürokratische Steine in den Weg legen. Ein klares Plädoyer für mehr Toleranz und Aufmerksamkeit – seitens der Behörden ebenso wie auch im privaten Bereich.
Welche spezifischen Problematiken beinhaltet schließlich die Therapie von Vertriebenen und Kriegsflüchtlingen? Auf die allgemeinen Techniken der Traumatherapie wird hier nicht vertieft eingegangen, wenngleich jedoch einige Methoden wie etwa die Bildschirmtechnik erklärt werden. Somit bleibt das Buch auch für Menschen ohne besondere (trauma-)therapeutische Vorkenntnisse verständlich. Ottomeyer berichtet über seine umfangreichen Erfahrungen im Umgang mit sprachlichen Barrieren und kulturspezifischen Unterschieden und erläutert, was es im Rahmen der Therapie zu beachten gilt.
Auch auf die Überlebenden der NS-Zeit und ihren Umgang mit dem erfahrenen Trauma geht Ottomeyer ein.
Nicht zuletzt wird zudem detailliert die Dynamik aufgezeigt, die uns alle beeinflusst: warum möchte man so oft die Augen verschließen vor dem Leid seiner Mitmenschen? Wodurch entsteht diese Ignoranz und was treibt Menschen dazu, hilfsbedürftigen Gruppen mit Aggression statt Unterstützung zu begegnen?
Ein wichtiges Buch, das die Augen öffnet für die Probleme, mit denen Flüchtlinge hierzulande zu kämpfen haben und ein Buch, dessen Lektüre man jedem Bürger – egal ob Therapeut oder Laie – nur ans Herz legen kann.
“Die Behandlung der Opfer” ist im Verlag Klett-Cotta in der Reihe “Leben lernen” zum Preis von 24,95€ mit der ISBN-Nummer 978-3-608-89107-2 erschienen.
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