Imagination als heilsame Kraft – Luise Reddemann

Imaginationsübungen können Traumaüberlebenden dabei helfen, besser mit den belastenden Erinnerungen umzugehen, ihre inneren Ressourcen zu stärken und somit stabiler zu werden.

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Die alte Meinung, man müsse ein Trauma in der Psychotherapie mit all seinen Schmerzen noch einmal durchleben, um es verarbeiten zu können, weicht mehr und mehr einem sanften Ansatz. Denn das wiederholte Erfahren der traumatischen Situation kann weitaus eher retraumatisierend wirken, als dass es hilft. Anstatt sich nur auf das Trauma zu konzentrieren, werden nun vielmehr die individuellen Ressourcen eines Patienten in den Vordergrund gerückt, um auf diese Weise die Selbstheilungskräfte und somit die innere Stabilität des Betroffenen zu stärken. Imaginationsübungen nehmen hierbei eine wichtige Rolle ein.

Imagination als heilsame Kraft - Luise Reddemann

Die renommierte Traumatherapeutin Prof. Dr. med. Luise Reddemann gibt in ihrem Band „Imagination als heilsame Kraft. Zur Behandlung von Traumafolgen mit ressourcenorientierten Verfahren“ sowohl PsychotherapeutInnen, als auch Betroffenen zahlreiche Imaginationsübungen an die Hand. Hierbei wird deutlich, mit wie viel Respekt sie ihren PatientInnen gegenübertritt und nicht etwa “von oben herab” über sie schreibt. Verschiedene Techniken werden ausführlich geschildert und mit konkreten Anwendungsbeispielen aus der therapeutischen Praxis ergänzt.

Diese sechste Auflage entstand unter Mitarbeit von Veronika Engl, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin, die den Einsatz von Qigong-Körperübungen in der Traumatherapie erläutert; der Kunstpsycho-, Psycho- und Traumatherapeutin Susanne Lücke, die auf die Rolle der Kunsttherapie für Traumapatienten eingeht, sowie der psychologischen Psychotherapeutin Cornelia Appel-Ramb, die den Band um Ausführungen zur Therapie von traumatisierten Kindern und Jugendlichen bereichert.

Gemäß der Dreiteilung der Traumatherapie in eine stabilisierende Phase, die Phase der Traumakonfrontation sowie die abschließende Integration des Traumas geht auch das vorliegende Buch nacheinander auf diese Themenbereiche ein.
Die ersten Kapitel widmen sich der Inneren Stabilität und dem heilsamen Umgang mit dem Körper, der für Traumatisierte oftmals kaum möglich erscheinbar. Achtsamkeitsübungen, die Arbeit auf der Inneren Bühne und das Finden von Gegenbildern zu den traumatischen Schreckensbildern stehen hier im Vordergrund. Auf das Körpergedächtnis wird ebenso eingegangen wie auf verschiedene Körperübungen aus den Bereichen Breema und Qigong.
Der nächste Teil steht im Zeichen der Traumakonfrontation und zeigt Imaginationsübungen wie beispielsweise die der Bildschirmtechnik auf, mit deren Hilfe das Trauma möglichst schonend bearbeitet werden kann.
Susanne Lücke geht anschließend auf die Möglichkeiten der Kunst- und Gestaltungstherapie im Prozess der Traumaheilung ein.
Im Anschluss daran finden sich Anregungen und Übungen dazu, wie die eigene Geschichte angenommen und in das Selbstbild integriert werden kann. Die dabei oftmals aufgeworfenen Sinnfragen, die Fragen nach Schuld und Sühne, nach Dankbarkeit und Vergebung werden hier ebenfalls thematisiert.
Abschließend erläutert Cornelia Appel-Ramb das Verfahren der psychodynamisch-imaginativen Traumatherapie von Kindern und Jugendlichen.

Die anschaulich und einfühlsam beschriebenen Übungen und Erklärungen machen Mut – Mut, dass es möglich ist, einen besseren Umgang mit den Traumafolgen zu erlernen und mehr Lebensqualität im Heute zu erfahren. Betroffene können ebenso wie Fachpersonal viel daraus mitnehmen.

Erschienen im Verlag Klett-Cotta in der Reihe „Leben lernen“, ISBN: 978-3-608-89034-1, 22,90 €.

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