Stimmengewirr – Mischa Bach

Jo & Co., ein multiples System, entwirren nach und nach gemeinsam, wie ein Wirtschaftsskandal um die Druckerei des Vaters mit den Traumata ihrer Kindheit zusammenhängt.

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“Kriminalroman” lautet der Untertitel, doch in “Stimmengewirr” geht es um mehr als nur das Whodunnit:
als Kind missbraucht, entwickelte Cäcilia-Josephine Gerschke eine multiple Persönlichkeit: die resolute Jo, die besonnene Anna, Josephine, die nach außen hin die “Fassade” wahrt, die kleine Jolanda, die brave Tochter Cäcilia, Tom, ein Teenager mit Drogenhintergrund und viele weitere Innenpersonen entstanden, um das Überleben zu sichern. Im Hier und Jetzt hat die Jurastudentin dadurch immer wieder mit Zeitlücken und für sie unerklärlichen Nervenzusammenbrüchen zu kämpfen – und nun befindet sie sich plötzlich auch noch auf der Flucht, nachdem sie ihren Professor, der ihr zu nahe kam, niedergeschlagen hat.

Stimmengewirr - Mischa Bach

Immer offensichtlicher wird, dass Jo & Co, wie sie sich nennen, sich mit ihrer traumatischen Vergangenheit auseinandersetzen müssen, an die nur bruchstückhafte Erinnerungen existieren. Gemeinsam begeben sich Jo & Co. auf die mühsame Suche nach Antworten auf ihre quälenden Fragen und entwirren sie nach und nach, wie ein Wirtschaftsskandal um die Druckerei des Vaters mit den Traumata ihrer Kindheit zusammenhängt und enthüllen immer weitere Einzelheiten des dunklen Familiengeheimnisses.
Was davon ans Licht kommt, verändert auch das Gefüge innerhalb des Systems, und noch komplizierter wird es, als sich Anna in den Reporter verliebt, der damals über den Druckereiprozess berichtet hatte – und dann ist da noch ihr Halbbruder Mike, der sich derzeit in Haft befindet und seinerseits mit den Albträumen aus der Kindheit kämpft…

Erzählt wird die Handlung abwechselnd von den verschiedenen (Innen-)Personen von Jo & Co. sowie von Mike; in kurzen Passagen werden auch die Eindrücke weiterer Protagonisten wiedergegeben, die Jo & Co. begegnen. Durch diese unterschiedlichen Perspektiven entsteht für den Leser ein sehr plastischer Eindruck: nicht nur in die Sichtweisen und Emotionen der einzelnen Innenpersonen kann man sich so gut hereinversetzen, sondern bekommt auch ein Bild davon, wie Jo & Co. von ihren Mitmenschen erlebt werden.

Die perfiden Grausamkeiten, die Jo & Co. und Mike in ihrer Kindheit widerfahren sind, werden zwar nicht detailliert beschrieben, sind aber nichtsdestotrotz harter Tobak und können triggern. Davon abgesehen hat die Autorin Mischa Bach die Story derart spannend geschrieben, dass man das Buch zwischendrin am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legt.

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